“Heut’ mach ich mir kein Abendbrot, heut’ mach ich mir Gedanken.” Wolfgang Neuss
04.05.2007 um 10:47

Solo

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Ich bin nun seit 10 Jahren mehr oder weniger solo. Ich kann damit sehr gut leben, allein: meine Zeitgenossen fühlen sich immer wieder aufgefordert sich über meinen „Zustand“ Gedanken zu machen:

Es hagelt schlaue Tips der Art: „Du wirkst so stark, da haben die Männer Angst.“
Und das bedeutet dann wohl, daß ich mich verstellen soll– falls wissen-was-ich-will mit „Stärke“ gemeint ist- um einen Mann zu finden, der mich liebt für etwas, das ich nicht bin?
Mein Wunsch nach Nähe und Zweisamkeit geht jedenfalls nicht so weit.

Auch schon oft gehört, habe ich: „Na ja, mit dem Alter wird es auch nicht einfacher, man wird halt immer anspruchsvoller!“
Ah ja?
Die Altersfrage würde bedeuten, daß meine Großmutter mit Ende Sechzig keinen Freund mehr hätte haben dürfen. Und was den Anspruch angeht: wenn es anspruchsvoll ist, sein Leben mit jemandem verbringen zu wollen, den man akzeptieren kann und von dem man akzeptiert wird, der in der Lage ist, in ganzen Sätzen zu kommunizieren und nicht aussieht, als ob er die letzten 40 Jahre in einer Höhle gelebt hat, dann bin ich gerne anspruchsvoll.

Am allerschlimmsten allerdings sind die Kupplungsversuche…
Da wurde mir schon einmal ein guter Freund angekündigt, der „genau meinem Geschmack“ entspräche.
Ich kann nicht sagen, was „mein Geschmack“ ist, aber anscheinend, wissen es meine Freunde!
Und so stand dann da plötzlich ein großer, dürrer Mann vor mir. D.h. er stand nicht lange: im nächsten Moment sankt er vor mir auf die Knie und küßte meine Hand. Nichts gegen große, romantische Gesten, aber bitte doch nicht bevor man sich überhaupt kennengelernt hat.
Es folgte ein entsetzlich unentspannter Abend an dem ich sehr bemüht war, dem Dürren aus dem Weg zu gehen. Ich hätte der entsprechenden Freundin sofort die Freundschaft kündigen sollen!

Neulich schon wieder. Ich war mit einer Freundin verabredet und sie meinte bei der Gelegenheit würde sie mir gerne einen ganz entzückenden Kollegen vorstellen wollen. Gerne! Den halben Abend linste ich immer über die Schulter des untersetzten, glatzköpfigen Mittvierzigers mit Fistelstimme und zweifelhafter sexueller Orientierung, weil ich dachte, da käme noch jemand…

Ich glaube den Worten einer Freundin gerne, die nach 10 Jahren endlich jemanden gefunden hat und mir neulich versicherte: „Wenn es der Richtige ist, ist alles ganz leicht, nichts Unkompliziertes, Schwieriges! Alles fließt!“
Und genau das glaube ich auch und freue mich drauf!

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